Lesezeit 4-5 MinutenWissenswertes über Stress & Burnout

BURNOUT – Wer ist wirklich gefährdet?

Als das Wissen über Burnout langsam von den medizinisch-wissenschaftlichen Kreisen in die Öffentlichkeit gelangte, war oft nachzulesen, dass Burnout in Pflegeberufen vorkommt. Einige Jahre später galten dann alle Menschen in helfenden Berufen, wie Rettungssanitäter, Polizisten, Feuerwehrleute, Ärzte, in der Pflege und Sozialarbeit, sowie Lehrer, als gefährdet. In den Jahren danach wurde Burnout zunehmend zur Managerkrankheit. Von nun an waren also Manager diejenigen, die Burnout-gefährdet waren.
Wie ist das heute? Wer gilt heutzutage als bedroht? Und, gehören Sie zum gefährdeten Personenkreis?

Dr. Arno Melitopulos, Direktor der Tiroler Gebietskrankenkasse hat in einem 2012 gehaltenen Vortrag über Burnout sehr interessante Zahlen genannt. Laut Erhebung der Krankenkasse waren 67% der in Österreich neu hinzugekommenen betroffenen Angestellte, 21% waren Arbeiter und 11% der neu betroffenen Arbeitslos.

Auch wenn die ursprüngliche Unterscheidung, dass Angestellte geistige und Arbeiter manuelle Arbeit verrichten heutzutage nicht mehr wirklich aufrechtzuhalten ist (die Arbeitsplätze der Facharbeiter sind heute auch mit vielen geistigen Anforderungen Verbunden), lässt sich daraus aber dennoch ableiten, dass Menschen, die vorwiegend einer manuellen und körperlichen Arbeit nachgehen, etwas weniger gefährdet sind.

Bei den von Dr. Melitopulos genannten Zahlen fällt besonders gravierend auf, dass die Arbeitslosen – rund 7% der erwerbstätigen Bevölkerung – knapp 11% der Betroffenen ausmachen. Damit sind auch Arbeitslose als besonders gefährdet einzustufen.

Eine Studie die das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) gemeinsam mit der Donauuniversität Krems durchgeführt hat zeigt, dass das Risiko an psychischen Arbeitsbelastungen zu leiden, unabhängig von Qualifikation und beruflicher Stellung mit

  • steigendem Alter
  • steigendem Arbeitsausmaß und
  • bei Nacht- oder Schichtarbeit steigt.

Der Fonds Gesundes Österreich (FGO) bestätigt dies mit noch genaueren Zahlen. Laut seiner Studie sind Nacht- oder Schichtarbeitende um über 40% stärker gefährdet als reine Tagesarbeiter.

Damit wird auch verständlicher, warum Menschen in helfenden Berufen als besonders gefährdet eigestuft werden. Einerseits sind sie den Belastungen von Nacht- und Schichtarbeit ausgesetzt, andererseits sind auch die psychischen Belastungen in diesen Berufen deutlich höher als bei den eher körperlich belasteten Handwerkern.

Zu erwähnen ist hier aber noch ein wichtiges Detail: All diese helfenden Berufe sind an sich nicht gefährlich. Zahlreiche Studien belegen, dass genau diese helfenden und sozialen Tätigkeiten, wenn sie freiwillig getan werden, glücklicher machen und damit auch vor einem Burnout schützen können.
Der Grund ist darin zu finden, dass die Menschen bei ihrem freiwilligen Engagement vielleicht genau den Sinn, die Wertschätzung und Anerkennung finden, die ihnen am bezahlten Arbeitsplatz fehlt. Es kann aber auch an der Möglichkeit zur Verwirklichung der eigenen Vorstellungen liegen, die in einer freiwilligen Tätigkeit ausgelebt werden können.

Eine 2011 durchgeführte Studie der Universitätsklinik für Psychiatrie an der Medizinischen Universität Graz, untersuchte die Burnout-Gefährdung von Ärzten. Das Ergebnis zeigte, dass Ärzte, die in das enge Korsett der Kliniken eingebunden sind, eine rund 10% höhere Burnout-Gefährdung haben, als ihre niedergelassenen Kollegen, die den Arbeitsablauf und auch die Arbeitszeiten in ihrer eigenen Praxis weitgehend selbst bestimmen können.
Menschen mit einem geringen Maß an Selbstbestimmtheit sind also eher Burnout-Gefährdet.

Die Gründe für ein Burnout sind jedoch nicht nur in der Art der Arbeit und den Rahmenbedingungen an den Arbeitsplätzen zu finden. Ein Burnout hat auch sehr viel mit der persönlichen Einstellung zu den Verpflichtungen in unserem Alltag zu tun.
Ein recht anschauliches Beispiel liefern uns hier die Bauern. Denn auch unter den hauptsächlich körperlich arbeitenden Landwirten gibt es laut der deutschen Sozialversicherung immer mehr Burnout-Fälle.
Wie der Chefarzt der Psychosomatischen Abteilung der Kreisklinik im bayerischen Ebersberg, Claus Krüger sagt, führen bei den Landwirten in der Regel drei Faktoren zum Burnout:

  • Der immer größer werdende wirtschaftliche Druck,
  • verbunden mit den geringer werdenden Gestaltungsspielräumen für die eigene Arbeit
  • und die inneren Antreiber, durch die sich viele Landwirte selbst noch zusätzlich gefährden

Diese gefährlichen inneren Antreiber zeigen sich häufig durch eine sehr hohe Arbeitsmoral. Viele kennen nichts anderes als zu funktionieren, zu arbeiten und auf die Psyche wenig Rücksicht zu nehmen. Von den Landwirten sind viele so erzogen worden, dass der Hof und die Arbeit wichtiger sind, als die eigenen Bedürfnisse. Zudem lassen sich viele Betroffene nichts anmerken bis es zu spät ist. Deshalb zählen laut Dr. Claus Krüger mittlerweile auch die Bauern zur Hochrisikogruppe.

Dieses Beispiel zeigt deutlich: Es sind nicht nur Menschen in den als besonders gefährdet eingestuften Berufen bedroht, sondern vor allem all jene, die zu wenig auf die eigenen Bedürfnisse achten. Wer vor lauter Leidenschaft für seine Arbeit den Partner, die Familie, Freunde oder seine Hobbies vernachlässigt, wird dies irgendwann sehr wahrscheinlich als Belastung erleben.

Diese Verschiebung der Prioritäten verbunden mit unserer ständigen Erreichbarkeit sorgt immer mehr dafür, dass Burnout in allen Berufsgruppen, Einkommens- und Bildungsschichten anzutreffen ist. Ebenfalls belegt ist mittlerweile, dass Frauen häufiger betroffen sind. Bei ihnen wird öfter ein Burnout oder eine Depression diagnostiziert.
In diesem Zusammenhang gibt es eine interessante Forschung der Soziologinnen Cornelia Koppetsch und Sarah Speck aus Deutschland. Sie gingen in ihrer Arbeit „Wenn der Mann kein Ernährer mehr ist“ der Frage nach, inwieweit sich die Rollenverteilung in einer Paar-Beziehung verändert, wenn die Frau das Geld nachhause bringt.
Kocht der Hausmann dann tatsächlich zu Mittag für die Kinder, wäscht er die schmutzige Wäsche, putzt er Küche, Bad und Klo, wenn sie Miete und Essen zahlt?

Das Ergebnis dieser Studie deckt sich mit den Ergebnissen ähnlicher Untersuchungen: Wenn Frauen die Rolle des Ernährers übernehmen, erledigen sie trotzdem deutlich mehr Hausarbeit, wie wenn der Mann das Familieneinkommen nachhause bringt.
Arbeiten beide Partner die gleiche Stundenanzahl an einem Arbeitsplatz, übernehmen die Frauen meist einen deutlich größeren Anteil an Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege eines Angehörigen.
Diese Doppelbelastung, denen die Frauen hier ausgesetzt sind, spiegelt sich in den Burnout-Zahlen wieder.

Burnout hat also nicht nur mit den Belastungen an unseren Arbeitsplätzen zu tun. Wirklich gefährdet ist, wer zur Arbeit eine starke Doppelbelastung hat oder seinem beruflichen Erfolg zu viel Gewicht gibt. Werden die eigenen Bedürfnisse vernachlässigt, fehlt das Schöne im Leben. So landet man irgendwann in einer Krise, die zu spät erkannt, in einem Burnout enden kann.

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