Arbeitswelt - für Unternehmer & ArbeitnehmerLesezeit 4-5 MinutenWissenswertes über Stress & Burnout

BURNOUT – kostspielig für den Staat, teuer für Unternehmen!

Kostenreduktion, Gewinnoptimierung, Ausgabensenkung – Schlagworte, die aktuell sind wie wahrscheinlich noch nie zuvor. Deshalb geht es in diesem Artikel um das Geld, das wir eigentlich gar nicht ausgeben wollen.

Bevor wir zu den Kosten für Unternehmen kommen, sehen wir uns zu Beginn kurz an, wie viel wir als Gesellschaft Jahr für Jahr wegen Burnout ausgeben.

Europaweit wurde der Volkswirtschaftliche Schaden im Jahr 2006 mit 117 Milliarden Euro beziffert. Davon sind

  • 64,9% Produktivitätsverlust (76 Mrd. €)
  • 18,8% ambulante Versorgung (22 Mrd. €)
  • 8,6% stationäre Versorgung in den Spitälern (10 Mrd. €)
  • 7,7% Medikamentenkosten (9 Mrd. € )

Die Europäische Union kommt damit im Jahr 2006 auf 236 Euro pro Einwohner und Jahr.

Deutschland:
Das Deutsche Statistische Bundesamt beziffert die direkten Krankheitskosten für das Jahr 2008 mit 28,7 Milliarden Euro. Das sind für das Jahr 2008 pro Einwohner und Jahr 337 Euro, die die Deutschen nur für die medizinische Behandlung von Burnout ausgeben müssen.

Schweiz:
Das Schweizerische Bundesamt für Statistik hat den volkswirtschaftlichen Schaden durch Burnout im Jahre 2010 mit 2,8 Milliarden Euro beziffert. Die Schweizer hatten 2010 damit einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von 358 Euro pro Einwohner und Jahr zu tragen.

Österreich:
Eine Studie des österreichischen Wirtschafts-Forschungs-Instituts (WIFO) aus dem Jahre 2012 bewertet die gesamtwirtschaftlichen Kosten mit etwa 3,3 Milliarden Euro. Dies ergibt für jede Österreicherin und jeden Österreicher 391 Euro im Jahr.
Die Expertin des WIFO und gleichzeitige Studienautorin Gudrun Biffl setzt hier aber noch eines drauf. Sie setzt die zuvor genannten Kosten fast doppelt so hoch an, weil man ihrer Ansicht nach die Arbeitnehmer mit einberechnen muss, die „Pillen einwerfen“ und so zwar am Arbeitsplatz erscheinen, aber nicht mehr wirklich produktiv sind.

Das World Economic Forum erwartet, dass sich die ohnehin enormen Kosten durch psychische Erkrankungen bis zum Jahr 2030 weltweit mehr als verdoppeln. In naher Zukunft sollen sie sogar die höchsten Krankheitskosten verursachen.

Was verraten uns diese Zahlen nun genau?
Einerseits lässt sich erkennen, dass die genannten Kosten mit den zeitlich aufeinanderfolgenden Erhebungen deutlich angestiegen sind. Wenn man die Zunahme an Burnoutfällen herausrechnet, lässt sich aber auch erkennen, dass die durch Burnout verursachten Kosten überall in etwa gleich hoch sind.
Die von der Europäischen Union genannten Zahlen zeigen zudem deutlich, dass der Produktivitätsverlust den überwiegenden Teil der volkswirtschaftlichen Kosten ausmacht.

Da die Kosten von Burnout in diesen und anderen Veröffentlichungen sehr allgemein sind, machte sich die Johannes Kepler Universität Linz daran, den tatsächlichen Kosten mit einem neuen Weg möglichst genau auf den Grund zu gehen.
In ihrer im Dezember 2013 veröffentlichten „Volkswirtschaftlichen Analyse eines rechtzeitigen Erkennens von Burnout“ zeigt die Universität anhand von drei Burnout Verlaufsszenarien auf, dass die Höhe der Kosten sehr stark vom Zeitpunkt der Diagnose abhängt. Dabei wurde auch ermittelt, wie stark die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten je nach Diagnosezeitpunkt variieren und welche finanziellen Auswirkungen der Diagnose- und Behandlungszeitpunkt auf Klein- Mittel- und Großbetriebe hat.

Bewertet man laut dieser Studie die Krankenstandstage mit den Kosten für den Produktionsausfall (als Minimumkosten werden die durchschnittlichen Personalkosten genommen), ergeben sich bei früher Diagnose Kosten in Höhe von 770 Euro pro betroffenem Mitarbeiter, bei zeitverzögerter Diagnose 2.300 Euro und bei später Diagnose 31.000 Euro pro Burnout-Fall.

Berücksichtig man, dass jeder Beschäftigte durch seine Arbeit Werte schafft, dann ist der Verlust eines Arbeitstages (als Maximum) mit der Bruttowertschöpfung anzusetzen. Damit belaufen sich die Kosten für einen Krankenstand bei früher Diagnose auf 1.300 Euro, bei zeitverzögerter Diagnose auf rund 4.000 Euro und bei später Diagnose auf rund 53.000 Euro pro betroffenen Mitarbeiter.

Diese Zahlen machen deutlich, wie wichtig ein frühzeitiges Erkennen und Gegenlenken ist. Und das nicht nur aus Sicht des Betroffenen, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht für Unternehmen.

Die unten stehende Tabelle aus der Studie zeigt zudem genau, mit welchen Ausfallzeiten Betriebe bei Burnout konfrontiert sind.

Wird ein Burnout erst in der Akutphase erkannt, dann ist der Mitarbeiter von einem Moment auf den Anderen im Krankenstand – und das für durchschnittlich 8 Monate. Die Leistungsreduktion liegt im ersten Jahr bei 100% und in den darauffolgenden Jahren bei 25-50%.
Einige der spät erkannten Burnout-Betroffenen kehren gar nicht mehr in den Betrieb bzw. an ihren Arbeitsplatz zurück.

Was zudem nicht übersehen werden darf, ist der damit einhergehende Verlust von Wissen und Knowhow. Es müssen auch die Kosten hinzugerechnet werden, die der Betrieb aufwenden muss, um die nachfolgenden Mitarbeiter einzuschulen.
Unternehmer bestätigten mir, dass es rund 2 Jahre braucht, bis ein nachfolgender Mitarbeiter ohne direkte Einschulung seines Vorgängers das gleiche Wissen und die gleiche Effizienz hat.

Wir reden hier noch immer von einem einzigen Mitarbeiter. Bei den Fallbeispielen in der Studie rechnen die Autoren damit, dass in größeren Betrieben durchaus 20% der Mitarbeiter in den nächsten Jahren ausfallen können.
Das kann für einen Betrieb sehr bedeutungsvoll werden: mögliche Produktionsausfälle, Wertschöpf- ungsverluste, Personalkosten, Imageverluste, …

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Mir liegt es fern schwarz zu malen. Ich präsentiere Ihnen hier nur die Ergebnisse einer großen Studie der Universität Linz.
Diese Studie zeigt deutlich, dass die Kosten für den Staat wie auch für Unternehmen bei später Diagnose steigen. Eine frühe Diagnose und damit ein dementsprechend frühes Gegensteuern, dämpft die Kosten für alle entscheidend.

Noch besser und in der Folge auch billiger, so die Studienautoren der Johannes Kepler Universität Linz, sind präventive Maßnahmen sowie eine Bewusstseinsbildung, damit möglichst wenige in ein Burnout rutschen.

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